HelvetiBox n°49 – Regionale Produkte vom Appenzellerland

Das Appenzellerland, gelegen zwischen dem Bodensee und dem Säntis, kann fast von jedem seiner Hügel und Berge aus komplett überschaut werden. Seit 1597 ist es geteilt in Innerrhoden (AI), den katholischen Teil, und Ausserrhoden (AR), den protestantischen Teil. Trotz der Aufteilung pflegen seine Einwohner eine gemeinsame Kultur – besonders kulinarischer Natur. Bekannt sind diese Kantone für ihren Käse, ihre traditionelle Kleidung und für ihre Verspätung in der Einführung des Frauenstimmrechts (Entscheidung des Bundesgerichts erst 1990).
Laut einem alten Klischee sind die Appenzeller von der Grösse her genauso wie ihre beiden Kantone: sehr klein. Obwohl sie mittlerweile gewachsen sind, mussten wir während unserer Besuche bei den Produzenten einige Male den Kopf einziehen, weil die Decken so niedrig waren!
Auch bei unserem dritten Besuch haben wir die Biberli von Christophe Engetschwiler für Sie mitgebracht – Liebe geht nun mal durch den Magen! Ebenso finden Sie Karamell, auf welches Sie auf keinen Fall beissen sollten, und eine Salami-Kugel von einem Tier, das während seines gesamten Lebens massiert wurde, in dieser Box. Um die typische Landschaft einer Region zu erhalten, braucht es manchmal ein wenig Phantasie und Willen. So entstand ein alkoholfreies Bier auf Obstbasis. „Der ärmste Mensch ist der, der keine Beschäftigung hat“, sagte Albert Schweitzer (1875-1965). So haben Menschen mit Behinderung eine ebenso praktische wie exzellente Gewürzmischung und eine energiegeladene Mischung zum Frühstück zubereitet! Wenn Sie eine Nespressomaschine haben, können Sie einen an der frischen Appenzeller-Luft in einer historischen Fabrik gerösteten Kaffee geniessen (als Geschenk).
PRODUKTE
Die HelvetiBox N°49
in Zahlen
PRODUZENTEN
Biberli
Holzofenbäckerei, Waldstatt AR
Der Appenzeller Biber ist ohne Zweifel eine der weitverbreitetsten Appenzeller Spezialitäten. Dieser hier jedoch ist ein artisanales Produkt und wurde in einem 140 Jahre alten Ofen gebacken. Christophe Engetschwiler ist ein waschechter Appenzeller. Spricht er jedoch Französisch, fällt sein ausgeprägter Neuenburger Akzent auf. Er bedient sich rein lokaler Zutaten. Wo andere Biberbäcker Honig vom anderen Ende der Welt benutzten, arbeitet Christophe nur mit Imkern aus dem Dorf. Während der Rekrutenschule war er der einzige Deutschschweizer in der Kaserne in Romont (FR). Er hat also Französisch gelernt, um „nicht immer nur mit seinem Bier allein an der Bar zu sitzen, sondern auch mal Frauen ansprechen zu können“. Das Leben hat ihn dann 25 Jahre lang in Neuenburg gehalten. Erst vor einigen Jahren hat er die Bäckerei mit all ihren Maschinen übernommen, in der er schon seine Lehre gemacht hat. Es ist die einzige Bäckerei in der Schweiz, die mit einem echten Holzofen arbeitet, also nur Holzscheite verwendet. Der Ofen verbraucht jährlich mehr als 30 Raummeter Holz und benötigt eine Stunde „Vorwärmung“.

Appenzeller Nidelzeltli 212
Tanner 212, Herisau AR
Im Appenzellerland darf man unter keinen Umständen auf ein Nidelzeltli beissen! Dies sind Bonbons, die zum Lutschen gedacht sind…und zum Lutschen… und Lutschen…und Lutschen. „Nidel“ bedeutet bekanntlich „Rahm“ und „Zeltli“ ist auf Appenzellerdeutsch ein „Bonbon“. Die Nidelzeltli 212 sind also Bonbons, die man lange im Mund geniessen kann. Die Nummer 212 ist nichts anderes, als die Hausnummer des alten Ladens der Tanner. Früher gab es in Herisau nicht weniger als sieben Händler auf einer Strasse, alle mit dem Namen „Tanner“. Um sie besser auseinander halten zu können, begannen die Einwohner die Hausnummern mit dem Namen zu sagen. Obwohl das Unternehmen unterdessen umgezogen ist, hat es seinen Namen nicht geändert.

„Kabier“ Salamikugeln
Sepp Dähler, Stein AR
Falls Sie das Gefühl haben den Namen Sepp Dähler und „Kabier“ schon einmal gehört zu haben, liegen Sie richtig. Der Appenzeller hat an der TV-Produktion „Eusi Landchuchi“ teilgenommen, die landesweit ausgestrahlt wurde. Die Familie Dähler wohnt in Stein in Appenzell Ausserrhoden. Sepp zieht „Kabier“ auf, wie er sie nennt. Der Name ist eine Kombination aus Kalb und Bier. Seine Idee ist, die Wiederkäuer nur mit Nebenprodukten der Bierbrauerei zu füttern: Malz und Bierhefe. Ähnlich, wie die Japanischen Produzenten (Koberinder), massiert auch Sepp seine Tiere täglich mit Bierprodukten um die Durchblutung der Muskeln zu fördern. Sollte die Sendung Ihnen Lust gemacht haben, Sepps Produkte zu probieren, haben Sie Glück: denn auch die Salamikugeln in dieser Box sind mit dem Fleisch der Kabier hergestellt. Sie sind sehr zart und von aussen mit exklusivem Pfeffer bestäubt. Auch wenn der Geruch etwas überrascht, ist der Geschmack sensationell!

Bschorle
Brauerei Locher, Appenzell AI
Ohne die hochstämmigen Bäume, die Hügel und Weiden bedecken, wäre das Appenzeller Land nicht das, was es ist. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass dieses Erbe in den letzten Jahren aufgrund des fehlenden Marktes und lukrativer Preise zunehmend aufgegeben wurde. Ein trauriger Fakt für Fredi Klee, einem Bauern in Oberegg (AI), dessen Hof etwa achtzig hochstämmige Bäume hat. Fredi Klee ist von dieser Landschaft besonders angetan und von ihrem Nutzen überzeugt, und im Jahr 2015 wandte er sich an die Kobelter Kelterei und die Locher Brauerei, die das berühmte Appenzeller Bier herstellt, um sein Obst zu verarbeiten und zu vermarkten. Das Appenzeller Familienunternehmen, das sich auf aromatisierte Biere spezialisiert hat, hat in wenigen Monaten ein neues Rezept erfunden: „Bschorle“, ein Erfrischungsgetränk aus Malz und Saft von 17 Apfelsorten und 11 Birnensorten, die in Appenzell geerntet werden. Mehr als 100 Tonnen Äpfel und Birnen können pro Jahr zu deutlich höheren Preisen als bisher verarbeitet werden. Für Fredi Klee ist das Ziel erreicht: Jeder der Verbundproduzenten hat bereits wieder hochstämmige Bäume gepflanzt! Das Projekt gewann 2017 den AgroPreis, den Schweizer Innovationswettbewerb für die Landwirtschaft.

Chnobli Dip
Genusswerkstatt, Herisau AR
Die Stiftung Tosam betreut mehrere Ateliers in der Ostschweiz. Das untypischste ist sicherlich der Hof in Baldenwil, in der Nähe von Herisau. Der Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet etwa 10 Hektar und ein 300 Jahre altes Gebäude. Der nach Bio-Standard betriebene Hof gibt etwa zehn Menschen mit einer psychischen Belastung Arbeit. Kräuter und aromatische Pflanzen nehmen etwa einen Hektar der Fläche ein und sind in vielen der vom Hof hergestellten und verkauften Produkte zu finden. Seit dem 1. Januar dieses Jahres werden die Produkte in einem neuen Werk in der Stadt Herisau verarbeitet und unter dem Namen Genusswerkstatt verkauft. Chnobli Dip ist eine Mischung aus Gewürzen mit Knoblauch, Petersilie, Schnittlauch, Meersalz, Liebstöckel und Pfeffer in Bio-Qualität. Vor allem ist es ein sehr praktisches und sehr gutes Produkt. Einfach einen Esslöffel der Mischung in 4 Esslöffel Quark geben und 1 Stunde ruhen lassen, damit sich die Aromen entwickeln. Bei Bedarf mit etwas frischer Sahne und Salz verfeinern. Sie können es dann als Gemüse-Dip oder als Sauce für Fondue Chinoise verwenden. Wir haben auch ein Saucenrezept entwickelt, das zu Roastbeef oder Steak passt und das Sie auf der letzten Seite des Beipackzettels finden.
Rezept Chnobli-Dip Sauce
Zutaten (für 4 Personen)
50 g Butter ; 3 EL Senf ; 4 EL Ketchup ; 1 TL Worcestersauce ; 2 EL Chnobli Dip ; 1 dl Rahm ; Salz & Pfeffer
Zubereitung
1. Butter in einem Topf zum Schmelzen bringen.
2. Senf, Ketchup, Worcestersauce und Chnobli Dip hinzufügen.
3. Rahm hinzufügen.
4. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Müesli Fit n’Morge
Genusswerkstatt, Herisau AR
Kürzlich hat die Genusswerkstatt in Herisau drei Sorten Müesli eingeführt. Die Produkte stammen ausschliesslich aus Betrieben des ökologischen Landbaus. Wir haben uns für Fit in Morge entschieden, das sich aus Haferflocken, Dinkelflocken, Weizenflocken, Gerstenflocken, Roggenflocken, Buchweizenflocken, Hirseflocken, Sonnenblumenkernen, Sesamkernen, Leinsamen, Apfelwürfeln und Gojibeeren zusammensetzt. Alles, um den Tag voller Energie zu beginnen!
Rezept für ein langgekochtes Roastbeef mit hausgemachter Sauce



